Humboldt-Universität zu Berlin

Kolonialrassistische Kontinuitäten an der HUB

„Die Humboldt-Universität setzt alle Kräfte ein, um ein Ort herausragender Forschung und Lehre zu sein. Sie fördert junge Talente und will über den universitären Rahmen hinaus positive Wirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft entfalten.“ (siehe Link)

Mit dieser Selbstdarstellung präsentiert sich die HUB auf ihrer Homepage unter dem Menu „Über die Universität“ => Allgemeines. Was bedeutet es, herausragende Forschung und Lehre zu betreiben? Welche positive Wirkung könnte gemeint sein? Diesen Fragen soll mit Hilfe des historischen Rückblicks und der an dieser Stelle interessanten Vergangenheitsaufarbeitung der HUB nachgegangen werden.
Die HUB hat eine 200-jährige Geschichte und gehört seit dem 15.06.2012 zu den elf Exzellenzuniversitäten Deutschlands. Welche Leitbilder, welche Werte also hat sich die HUB zum Ziel gesetzt und wie werden diese gelebt?

Wir möchten hierbei auf die Ergebnisse unserer Recherche nach konkreten kolonialen Verstrickungen unserer Universität eingehen. Den Schwerpunkt bilden im nachfolgend Dargestellten, neben bedeutenden Persönlichkeiten des HUB-Universums, auch anatomische Sammlungen der Charite, sowie das geplante Humboldt-Forum, die allesamt als Zeugnisse des Kolonialismus gelten.
Einen weiteren wichtigen Aspekt bei der historischen Betrachtung der universitären Kolonialvergangenheit bildet das enge Verhältnis von Kolonialismus und Wissenschaft.
Bestimmte Inhalte aus dem Kontext der westlichen Wissensordnung, das aus einer weißen Perspektive heraus konstituiert wurde, können selbst als Produkt der Kolonialzeit angesehen werden. So bildet beispielsweise das Verständnis von Fortschritt, Moderne oder Entwicklung ein kulturspezifisches Konstrukt, das von der kolonialen Begegnung geprägt ist.

In Anbetracht dessen, dass das Seminar „Deutsche Kolonialgeschichte“, aus dem zahlreiche der hier thematisierten Inhalte hervorgehen, an der Humboldt-Universität zu Berlin (im Folgenden HUB genannt) stattfand, ist ein historischer Rückblick auf die universitären Strukturen und Werte nicht nur interessant, sondern auch notweniger Bestandteil, um zu erkennen wie und weshalb weißes Wissen vermittelt wird.
So gibt die Hervorhebung „bedeutender Personen“ auf der HU-Homepage Auskunft darüber, welche Stimmen gehört und gelehrt werden sollen.

Einige dieser für die universitäre Vergangenheit bedeutenden Persönlichkeiten seien die Gebrüder Humboldt, sowie Rudolf Virchow, die alle als Kolonialisten aktiv waren und an dieser Stelle der universitären Internetpräsenz zum Gedenken sehr einseitig portraitiert werden. Im Folgenden möchten wir auf die Inhalte der jeweiligen biographischen Darstellungsweisen eingehen und sie auf ihren Umgang mit der kolonialen Vergangenheit der Personen untersuchen.


Wiederkehrende Persönlichkeiten der deutschen Kolonialgeschichte an der HUB

Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt (1769 in Berlin – 1859 in Berlin), war ein sogennanter Naturforscher. „Sein allgemeines naturwissenschaftliches Interesse veranlasst ihn aus dem Staatsdienst auszutreten und sich ausschließlich naturwissenschaftlichen Studien zu widmen, die ihn auf ausgedehnte Reisen in mehrere Länder führen.“ Unter anderem mit diesen Informationen wird Alexander von Humboldt auf der Homepage der HU vorgestellt. Die Biographie ist sehr allgemein gehalten und geht bezüglich Humboldts Reisen und wissenschaftlichen Beiträgen wenig ins Detail, macht lediglich deutlich, dass er ein großer Staatsmann (Diplomat) und Forscher gewesen sein soll.

Auf diese Art und Weise wird Alexander von Humboldt nur sehr einseitig und oberflächlich beschrieben. Zahlreiche Äußerungen von ihm waren allerdings rassistisch (siehe Interview mit Berlin Postkolonial e.V. weiter unten!) und dass sein Raub von Skeletten auf einer Forschungsreise im Orinokogebiet in Deutschland damals keine Proteststürme wegen „Leichenfledderei“ ausgelöst hat, lässt sich vermutlich damit erklären, dass es sich nicht um Skelette weißer Menschen handelte.

Alexander von Humboldt selbst als Kolonialist zu bezeichnen mag von manchen als historisch inkorrekt betrachtet werden, da er lebte, bevor das Deutsche Reich gegründet wurde (1871) und sich Deutschland auch erst Ende des 19. Jahrhunderts als Staat an dem „Erwerb“ von Kolonien durch kolonialrassistische Gewaltausübung beteiligte. Doch wie wir in der Kategorie „Deutsche Kolonialgeschichte“ verdeutlicht haben, beginnt diese nicht mit dem Auftreten des deutschen Staates als „Kolonialstaat“, sondern bereits viel früher. Zudem haben wir in der Rubrik „Sprache und Macht“ verdeutlicht, welche Relevanz „Entdecker_innen“ und „Forschungsreisende“ für die spätere Kolonialisierung der Gebiete durch den deutschen Staat hatten. Aus diesen Gründen ist es unserer Meinung nach durchaus richtig Alexander von Humboldt als Kolonialisten zu bezeichnen. Darüber hinaus kann Alexander von Humboldt aufgrund seines Europazentrismus in seinen Reiseberichten und Forschungsarbeiten und durch seine Bedeutung für die, sich ausbreitende, Leitideologie des „wissenschaftlichen“ Rassismus, sogar als Mitbegründer europäischen Kolonialismus angesehen werden.

Alexander von Humboldt gilt als Gegner der Versklavung  und des Handels mit versklavten Menschen, des Kolonialismus und des Denkens in „Rassen“. Jedoch war er auch ein Verfechter der Aneignung der Welt auf „wissenschaftlicher“ Basis von Europa aus. Expansion und Kolonialismus beruhten immer auf Gewalt und Unterdrückung und dennoch wollte er die Expansion der „westlichen Welt“ durchsetzen und ließ keinen Zweifel daran, dass für ihn die „westliche“ Wissenschaft die einzig wahre Wissenschaft ist und befürwortete so die Expansion Europas. Darüber hinaus sei noch einmal zu verdeutlichen, dass seine Forschungen und Forschungsergebnisse durch koloniale Ausbeutung ermöglicht wurden (er forschte in Ländern, die bereits kolonialisiert waren) und dass diese Forschungsergebnisse und Reiseberichte später vom deutschen Staat auch zur kolonialen Ausbeutung genutzt wurden und um Kolonialismus zu legitimieren.

Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt (1767 in Potsdam – 1835 in Berlin), war Linguist, Philosoph, Staatsmann und Begründer der Humboldt-Universität zu Berlin, welche 1946 nach ihm und seinem Bruder Alexander von Humboldt benannt wurde. Auch Wilhelm von Humboldts wissenschaftliche Leistungen und seine Beiträge zur Kultur- und Bildungspolitik des preussischen Staates werden in der Kurzbiographie auf der Homepage der HU nur sehr vage und wenig detailliert beschrieben (https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschichte/wilh_html). Doch auch hier wird in der Beschreibung deutlich, dass auch Wilhelm ein großer preußischer Staatsmann (insbesondere in Bezug auf Kultur- und Bildungspolitik) und Forscher gewesen sein soll. Bezüglich kolonialrassistischer Tendenzen in seinen Forschungen, sind vor allem seine Beträge zur Linguistik einschlägig, in denen er Sprachen in eine Sprachhierarchie einordnete, welche westeuropäischen Sprachen einen Platz an der Spitze der der selbst geschaffenen Hierarchie zuwies. Auch Wilhelm von Humboldt trug daher mit seiner Forschung zum Legitimationsdiskurs für Kolonialismus bei.

Weiterlesen:

Zeuske, Michael (2013): „Der ‚Kosmos‘ Alexander von Humboldts oder Was soll ‚Welt‘ vor der Weltwirtschaftsglobalisierung im 19. Jahrhunderts sein?“ in: Zimmerer, Jürgen Hrsg. (2013): „Kein Platz an der Sonne“. Frankfurt am Main: Campus Verlag GmbH, S. 344-354.

http://humboldtumbenennen.blogsport.eu/

Rudolf Virchow

* 13.10.1821 Schivelbein/Pommern, † 05.09.1902 Berlin
Der einstmals ausgebildete Heeresarzt und seit 1856 auch Prosektor an der Berliner Charité galt als überzeugter Demokrat, der sich zu Lebzeiten mit der pathologischen Anatomie und Physiologie beschäftigte. Seine Theorie zur Zellularpathologie machte Virchow weltberühmt und bildete einen Wendepunkt in der Geschichte der Disziplin ab.
Er arbeitete auch als praktischer Hygeniker und war am Bau von Trinkwasserversorgungsstellen und Kanalisationen beteiligt. Hierüber informiert auch die HUB auf ihrer Portraitierungsseite zu bedeutenden Personen.
Weiterdessen war  Virchow 1887 an der Gründung des Ethnologischen Museums und des Völkerkundemuseums in Berlin mitbeteiligt, da er in vielfältiger Weise auf den Gebieten der Anthropologie, Ethnologie und Archäologie tätig war. Dazu gründete er 1869 die Berliner Anthropologische Gesellschaft und veranlasste anthropologische Untersuchungen der deutschen Schulkinder an: Mit Zustimmung aller Bundesstaaten außer Hamburg wurden Haar-, Haut- und Augenfarbe von 6.760.000 Schulkindern erhoben sowie die Schädelform bestimmt. Für die jüdischen Schüler wurden eigene Listen geführt. Von Haus aus Mediziner, war er fasziniert von anthropologischen Forschungsarbeiten und regte deshalb die Untersuchung von Völkerschauteilnehmern an.
Für die akademische Welt boten Völkerschauen neben dem reinen Vergnügen auch einen praktischen Nutzen. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, so etwa Experten der Anthropologie, Ethnologie, Urgeschichte, Medizin und Anatomie, nutzten die zur Schau gestellten Menschen als Forschungsobjekte.
Auch veranlasste Virchow zum Zwecke von Untersuchungen den Import von nicht nur Artefakten, sondern vor allem menschlichen Überresten aus den Kolonien, um exzessive Schädelvermessungen durchzuführen. Die meisten Importe fanden nach dem Herero-Völkermord statt. So wurden „Herero-Schädel“ von erhängten oder ermordeten Herero kistenweise nach Deutschland gebracht, nachdem sie von den Herero-Frauen in den Gefangenenlagern mit Hilfe von Glasscherben vom Fleisch befreit werden mussten (vgl. Zeller 2003:77).
Der Fokus unserer hier thematisierten Recherchen liegt, aufgrund der zahlreichen bestehenden Verstrickungen zum Kolonialismus, auf der anthropologischen Wissenschaft. Dieser Wissenschaftszweig trug erheblich dazu bei, dass das rassistische Menschenbild nicht nur verfestigt, sondern auch produziert wurde.
(vgl. McClintock 1995, S. 50)
Auf der Webseite der Universität wird Virchows Vergangenheit nur sehr einseitig beleuchtet. Zu den Zusammenhängen seiner wissenschaftlichen Arbeiten mit kolonialrassistischen Inhalten fällt kein einziger Satz. Betont wird jedoch die Tatsache, dass Virchow als Republikaner aktiv an der Märzrevolution teilnahm.
Virchows Verortung als liberaler Mensch wird oftmals dazu benutzt, um die Anthropologie von Zusammenhängen mit Imperialismus und Rassismus zu trennen (vgl. Zimmermann 2004: S.192).
Obwohl seine Erkenntnisse eng mit kolonialrassistischen Inhalten verstrickt waren, da er den im Kolonialismus gesetzten Schwerpunkt der vermeintlich existierenden biologischen Unterschiede in der Anatomie von Menschen untersuchte und seine anthropologischen Arbeiten erheblich vom Zugang zu Forschungsmaterialien in den Kolonien des ehemaligen Deutschen Reichs profitierten  (vgl. Zimmermann 2004: S.197-198, 204-205), wird nichts von all dem in der Kurzbiographie unter seinem Portrait angedeutet.
zum Nachlesen:
Ulrike Lindner: Koloniale Begegnungen. Deutschland und Großbritannien als Imperialmächte in Afrika 1880-1914 (= Globalgeschichte; Bd. 10), Frankfurt/M.: Campus 2011

 


No Humboldt21! und das fiktive Interview mit Humboldt

Neben diversen wiederkehrenden Persönlichkeiten der deutschen Kolonialgeschichte, die in direktem Zusammenhang mit der Humboldt-Universität zu Berlin stehen, verdeutlichen sich kolonialrassistische Kontinuitäten auch außerhalb des universitären Raums.

Im Rahmen der Bündniskampagne „No Humboldt21!“, die sich für ein Moratorium des Humboldt-Forums im Berliner Schloss einsetzt, führte der Verein „Berlin Postkolonial e.V.“ ein fiktives Interview mit Alexander von Humboldt. Wir dürfen das Interview hier veröffentlichen, um darzustellen,  wie  sich die (fortwährende) Präsenz von Kolonialrassismus an der HU, schon in ihrer Namensgebeung offenbart.

Störung der Totenruhe

Herr von Humboldt, zusätzlich zur Humboldt-Universität, zum Humboldthafen, zum Volkspark Humboldthain, zur Humboldt Foundation etc. möchte die Bundesregierung nun im wieder zu errichtenden Kaiserpalast das Humboldt-Forum einrichten. Sie und Ihr Bruder werden vom Präsidenten der federführenden SPK zu Ahnherren einer vermeintlich interesselosen, vorurteilsfreien und weltoffenen Kultur und Wissenschaft in Deutschland stilisiert. Herr Parzinger schreibt: “Das gemeinsame Forum von Museen, Bibliothek und Universität trägt den Namen Humboldt, weil die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt nicht nur eng mit dem Ort verbunden sind, sondern gleichsam als Leitfiguren für das Konzept des Humboldt-Forums gelten: Wilhelm steht für die Bedeutung der klassischen Ideen- und Geistesgeschichte Europas und für das Verständnis der außereuropäischen Kulturen (…) Alexander symbolisiert die Neugier auf die Welt, eine weltoffene Beschreibung fremder Kulturen, eine Disziplinen überschreitende Erforschung Amerikas und Asiens (…) Wilhelm wie Alexander, beide prägte eine kosmopolitische Weltsicht, die auf der Gleichberechtigung der Weltkulturen basiert.” Könnten Sie uns bitte kurz erläutern, wie Ihre spektakuläre Reise in Spaniens südamerikanisches Kolonialreich möglich wurde und wem Ihre wissenschaftlichen Untersuchungen dienten?

Ich erhielt zwei Pässe, den einen vom ersten Staatssekretär, den anderen vom Rat von Indien. Nie war einem Reisenden mit der Erlaubnis, die man ihm erteilte, mehr zugestanden worden, nie hatte die spanische Regierung einem Fremden größeres Vertrauen bewiesen. (…) Ich meinerseits war bemüht, diese sich nie verleugnende Freundlichkeit zu erwidern. Ich übergab während meines Aufenthalts in Amerika den Statthaltern der Provinzen Abschriften des von mir gesammelten Materials über die Geographie und Statistik der Kolonien, das dem Mutterlande von einigem Nutzen sein konnte.(…) Da der Zweck unserer Reise ein rein wissenschaftlicher war, so hatten Bonpland und ich das Glück, uns das Wohlwollen der Kolonisten wie der mit der Verwaltung dieser weiten Landstriche betrauten Europäer zu erwerben.

Sie haben die kulturellen und natürlichen Schätze Südamerikas untersucht, dokumentiert, gesammelt – und wenn möglich auch nach Europa verschifft. In Deutschland erschien vor einigen Jahren der inzwischen verfilmte Roman „Die Vermessung der Welt“, in dem beschrieben wird, wie Sie und Ihr Gefährte Bonpland von den entsetzten Bewohner_innen des Landes sogar beim Raub menschlicher Überreste erwischt wurden. Haben Sie wirklich die Ruhe der Ahnen gestört?

Wir nahmen aus der Höhle von Ataruipe mehrere Schädel, das Skelett eines Kindes von sechs bis sieben Jahren und die Skelette zweier Erwachsener von der Nation der Atures mit. (…) Sie machten fast eine ganze Maultierladung aus, und da uns der abergläubische Widerwillen der Indianer gegen einmal beigesetzte Leichen wohlbekannt war, hatten wir die Körbe in frisch geflochtene Matten einwickeln lassen. Bei dem Spürsinn der Indianer und ihrem feinen Geruch half aber die Vorsicht leider nichts. (…) Kaum (…) hatten die guten Leute unser Gepäck angerührt, so prophezeiten sie, dass das Lasttier, “das den Toten trage” zugrunde gehen werde. Umsonst versicherten wir, sie irrten sich, in den Körben wären Krokodil- und Seekuhknochen; sie blieben dabei, (…) und “das seien ihre alten Verwandten”. (…) Einer der Schädel, den wir aus der Höhle von Ataruipe mitgenommen, ist in meines alten Lehrers Blumenbach schönem Werke über die Varietäten des Menschengeschlechts gezeichnet; aber die Skelette der Indianer gingen mit einem bedeutenden Teil unserer Sammlungen an der Küste von Afrika bei einem Schiffbruch verloren, der unserem Freund und Reisegefährten Fray Juan Gonzales das Leben kostete.

Verzeihen Sie, wenn wir angesichts dessen, was man in Europa als “Leichenschändung” bestraft hätte, auch daran zu zweifeln beginnen, dass Sie von einer “Gleichberechtigung der Weltkulturen” ausgehen. Aber was, wenn nicht die Überzeugung von der Einzigartigkeit südamerikanischer Kunst und Kultur, hat Sie denn – neben Neugier und Ruhmsucht – auf die andere Seite des Atlantiks geführt?

In den Forschungen über Monumente, die von halbbarbarischen Völkern errichtet worden sind, liegt noch ein weiteres Interesse, das man psychologisch nennen könnte: Sie bieten unseren Augen das Gemälde des gleichförmigen Fortschreitens des menschlichen Geistes dar. (…) Welch beeindruckendes Schauspiel bietet uns der Genius des Menschen, wenn wir den Raum von den Gräbern von Tinian und den Statuen der Osterinseln bis zu den Monumenten des mexikanischen Tempels von Mitla durchschreiten; und von den unförmigen Idolen jenes Tempels bis zu den gemeißelten Meisterwerken des Praxiteles und des Lysippos! Wundern wir uns nicht über die Rohheit des Stils und die Fehlerhaftigkeit der Umrisse in den Werken der Völker Amerikas. Vielleicht frühzeitig vom Rest der menschlichen Gattung getrennt, umherirrend in einem Land, wo der Mensch lange gegen eine wilde, stets bewegte Natur zu kämpfen hatte, haben sich diese sich selbst überlassenen Völker nur langsam entwickeln können. Der Osten Asiens, der Westen und der Norden Europas zeigen uns ähnliche Phänomene.

Herr von Humboldt, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Anmerkung: Alexander von Humboldt ist tot. Die Antworten in diesem Interview entsprechen jedoch wörtlich seinen Äußerungen in: Alexander von Humboldt. Die Reise nach Südamerika. Vom Orinoko zum Amazonas. Aus dem Franz. übersetzt von H. Hauff, bearbeitet und herausgegeben von Jürgen Starbatty, Lamuv Verlag Göttingen 1990, 11. Aufl. 2010, Kap.1, S.15-16 und S.385-386 sowie in Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas. Aus dem Französischen von C. Kalscheuer, herausgegeben von Oliver Lubrich und Ottmar Ette, Eichborn Verlag Frankfurt/M., 2004, S.18-19.
Das Gespräch führte Berlin Postkolonial.

Mehr Informationen zu Berlin Postkolonial e.V. und No Humboldt21! findet ihr hier:

Berlin Postkolonial e.V.

No Humboldt21!


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